Im Februar 2011 wurde der Medienfluten-Evaluationsbericht des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation vorgestellt. Hierzu wurden im Jahr 2009/2010 Befragungen an 11 Stuttgarter Schulen durchgeführt. Die Evaluation zeigt, wie das Projekt, seine Inhalte und die Nachhaltigkeit durch verschiedene Zielgruppen bewertet wurde.
Ein besonderer Fokus lag hierbei auf der Bewertung durch die SchülerInnen. Sie wurden zu vier Zeitpunkten per Fragebögen zu folgenden Themenbereichen befragt:
Neben den SchülerInnen wurden auch Lehrerinnen und Lehrer, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter, Schulleiterinnen und Schulleiter zu Medienfluten befragt.
Die Auswertung der Ergebnisse zeigen, dass das Projekt Medienfluten seine Zielsetzung, Jugendliche im Umgang mit Medien zu sensibilisieren und eine kritische und reflektierte Nutzungsweise anzuregen, erreicht hat. Durch die Möglichkeit, innerhalb des Projekts sowohl offen über die eigene Mediennutzung zu reden, als auch die Hintergründe der Medienwelt praktisch erkunden zu können, manifestierten sich die Inhalte bei den Jugendlichen und es konnten sogar langfristige positive Verhaltensänderungen beobachtet werden.
Die Lehrerinnen, Lehrer, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter hielten Medienfluten inhaltlich weitgehend oder voll den Schulklassen angemessen, sinnvoll aufgebaut und methodisch gut umgesetzt. Sie bescheinigten den Schülerinnen und Schülern ein sehr großes Interesse, Engagement und zu mehr als 90 Prozent eine sehr große Offenheit gegenüber den Themen sowie dem methodischen und inhaltlichen Vorgehen in Medienfluten.
In der langfristigen Wirkung zeigt sich, dass das Erkennen der Funktionsweisen der Medien, insbesondere des Fernsehens, den Kindern als das Wertvollste im Gedächtnis geblieben ist. Speziell der aufklärende Teil ist bei vielen Teilnehmern am stärksten positiv in Erinnerung. Erfreulicherweise berichtet etwa die Hälfte der Kinder nach sechs Monaten von Verhaltensänderungen, indem sie sagen, sie würden vorsichtiger beim Anklicken im Internet sein als vor Medienfluten.
Eine wichtige Problematik erschließt sich aus den angegebenen Daten der SchülerInnen zu der Medienkompetenz ihrer Eltern und Gespräche mit den Eltern über ihre eigene Mediennutzung.
Denn die Eltern kennen sich aus Sicht der Kinder deutlich schlechter mit elektronischen Medien aus als sie selbst. Das ist insoweit von Bedeutung, weil ein Zusammenhang zu bestehen scheint, zwischen dem Wissen der Eltern über neue Medien und dem Verhalten der Kinder. Beispielsweise: Fünf von zehn Jungen, die behaupten ihr Vater habe keine Ahnung von elektronischen Medien, suchen sehr oft oder oft aktiv nach Pornos im Netz. Von den 28 Jungen, die glauben ihr Vater kenne sich mit elektronischen Medien besonders gut aus, sucht kein einziger sehr oft oder oft aktiv nach Pornos.
Ähnlich verhält es sich mit der Kommunikation von Kindern mit ihren Eltern über das, was sie im Internet machen: Je weniger sie mit ihnen darüber reden, umso intensiver suchen sie aktiv nach Pornos im Internet. Unabhängig von der Richtung eines möglichen Wirkungszusammenhanges – also ob die Suche nach Pornos das Reden reduziert oder anders herum – könnte ein verstärktes Kommunizieren der Eltern über die Mediennutzung ihrer Kinder zur positiveren Nutzung der elektronischen Medien beitragen.
Deswegen soll mittels der Elternabende von Medienfluten Eltern ein Einblick in die Medienwelt ihrer Kinder gewährt und sie dazu angehalten werden, sich selbst intensiv mit der Mediennutzung ihrer Kinder auseinanderzusetzen und das Gespräch mit Ihnen darüber zu suchen.
Den kompletten Evaluationsbericht sowie eine Zusammenfassung mit weiteren zentralen Ergebnissen finden Sie in unserem Downloadbereich.